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Bohrhakenausbruch an einem Fixseil (in der Rot Chälen / Jegerstöck / Glarner Alpen)

Datum der Veröffentlichung: 28.08.2013 - Berg-/Hochtour (Sommer)

Im unteren Teil der Schlucht befindet sich ein Stahlseil, welches mit Bohrhaken fixiert ist. Dieses Seil und die Bohrhaken sahen noch sehr neu aus. Als ich dieses Seil im Abstieg zu Hilfe nahm (keine Belastung durch ganzes Körpergewicht) und mit der anderen Hand nach dem Felsen greifen wollte, ist der Bohrhaken ausgebrochen und ich bin mehrere Meter abgestürzt bis auf einen kleinen Zwischenboden, wo ich mich gerade noch festhalten konnte, sonst wäre ich weiter und tiefer abgestürzt - mit anzunehmenden schweren Konsequenzen. Beim ausgebrochenen Bohrhaken müsste es sich um das Modell Mammut Longlife handeln. Die Frage ist nun: War er schlecht gebohrt, der Fels schlecht oder handelt es sich beim Bohrhaken um ein Modell, das Mängel hat?

Eine versagende Fixseil-Verankerung ist ein sehr ernster Vorfall. Dies zumal auf Routen, wo man nicht noch zusätzlich mit einem Seil gesichert ist. Wir haben die oben gestellten Fragen soweit möglich überprüft und können diese aufgrund der zur Verfügung stehen Informationen wie folgt beantworten:

1. Schlecht gebohrt, Alterung oder schlechter Fels?
Generell ist das Alter von vorhandenen Bohrhaken auch für Fachpersonen schwierig zu beurteilen: Man sieht nur die Oberfläche – bei neueren Produkten rostfreies Material – und diese sieht fast immer gut aus. Hier die Meinung der Experten zum aktuellen Fall:
«Dieser Bohrhaken wurde gut gesetzt, der Konus hat begonnen zu spreizen, der Stift wurde 3-4 Millimeter eingeschlagen, dies ist genügend. Die Installation war, als sie neu war, wohl gut. Sie war vermutlich bereits längere Zeit vor Ort. Wir schätzen mindestens drei bis fünf Jahre, kann auch länger sein! Wir vermuten, dass der Fels nachgegeben hat. Es kann durchaus sein, dass kein Fels ausgebrochen ist, sondern dass sich Risse um das Bohrloch gebildet haben und sich der Haken deshalb löste. Weitere Erkenntnisse lassen sich ohne weitere Informationen (Fotos der Ausbruchstelle) nicht ableiten.»

2. Problematik der «Longlife»-Bohrhaken:
Die Erfahrung zeigt, dass gut gesetzte Bohrhaken der neueren Generation, deren Lasche mit einer M-10-Mutter am Dübel (Segmentanker) angeschraubt ist, die geforderten Belastungen problemlos halten. Etwas anders ist die Situation bei den sog. «Longlife»-Bohrhaken. Bei solchen verläuft durch die Achse eine Bohrung, durch die zur Fixierung des Hakens ein Stift mit einem Hammer eingeschlagen wird. Probleme ergaben sich bisher bei den 10-mm-Longlife-Bohrhaken. Zumeist haben sich Haken gelöst, bei denen der Stift nicht so weit hineingetrieben wurde (oder werden konnte), dass er mit dem Hakenkopf bündig ist. Inzwischen sind bereits viele mit Longlife-Bohrhaken versehene Routen saniert worden.

Weiterführende Informationen zu den Eigenschaften und der Qualität von Bohrhaken finden Sie unter dem untenstehenden Link.


Fazit:
Die Qualität der Verankerung und der Fixseile selbst ist auf alpinen Touren ausserhalb des offiziellen Berg- oder Alpinwanderwegnetzes nicht gesichert. Die Benutzer sind hier vollumfänglich eigenverantwortlich unterwegs. Dazu folgende Tipps:

Beurteilen Sie solche Installationen ausserhalb offizieller Wege generell vorsichtig. Dies besonders auf selten begangenen Routen oder im Vorsommer, wenn diese zuvor winterlichen Verhältnissen ausgesetzt waren (Schneedruck, Frosteinwirkung).

Besonders im Aufstieg sind Befestigungen von Fixseilen von unten meist nicht einsehbar. Belasten Sie deshalb solche Steighilfen nur zurückhaltend.

Schäden an solchen Einrichtungen im Bereich offizieller Wege sollten den kantonalen Wanderwegorganisationen gemeldet werden. Beschädigungen an Installationen ausserhalb solcher Wege können den Betreibern der nächstgelegenen Ausgangspunkte (Seilbahnen, alpine Unterkünfte) gemeldet werden. Auch Einträge in einem Tourenportal können dazu beitragen, dass solche «Fallen» bekannt werden, bevor ein schwerwiegender Unfall passiert.




Mehr Informationen unter: Artikel zu Bohrhaken in «Die Alpen» 03/2010