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Seilmantelriss - Lebensdauer von Seilen

Datum der Veröffentlichung: 20.09.2013 - Klettern indoor

Ein Kletterer steigt in einer Kletterhalle eine Route sturzfrei vor. Beim Ablassen reisst der Mantel des Seils, trotz Durchmesser 11 mm. Eine scharfe Kante am Karabiner (siehe Meldung vom 14.3.2013 «Seilriss wegen eingeschliffenen Karabinern») kann ausgeschlossen werden. Mit 200 Gebrauchstagen über 15 Jahre, meist Indoor, war die Gebrauchsdauer trotz wenig gehaltener Stürze ganz offensichtlich überschritten...

Seile und viele andere Ausrüstungsgegenstände im Bergsport gelten als «Persönliche Schutzausrüstung» (PSA), und zwar meist als solche der höchsten Schutzklasse (Klasse III, gegen Absturz aus großen Höhen). Zu solchen Produkten wird in der Gebrauchsanleitung immer eine maximale Lebensdauer angegeben.
Diese variiert je nach Hersteller. Wird das Seil jede Woche benutzt, beträgt sie max. 1 Jahr, wird das Seil nie benutzt, max. 10 Jahre.
Mit der Zeit und mit dem Gebrauch nehmen die dynamischen Eigenschaften eines Seiles ab. Das Seil wird meistens deutlich steifer, dicker und das ganze Handling wird schlechter. Gleichzeitig reduziert sich die Festigkeit des Seils, insbesondere jene gegen die Scharfkanten-Belastung.
In der Halle und im Klettergarten werden Seile durch das häufige Ablassen auch ohne Stürze stark beansprucht. Andererseits kommt es in der Halle kaum zu harten Stürzen oder solchen über scharfe Kanten. Deshalb lautet die Empfehlung, ein neues Seil zuerst draussen zu benutzen und es dann in der Halle noch so lange «auszuklettern» wie es gut aussieht, sich gut anfühlt und keine Schäden aufweist, maximal aber bis zum Ende der empfohlenen Gebrauchsdauer. Dabei ist zu beachten, dass eine 2-3 stündige Verwendung in der Halle oder im Klettergarten durchaus einer ganztägigen Nutzung in Mehrseillängenrouten entspricht. Ein ausgeklettertes Seil erkennt man durch starke Verschleissmerkmale am Mantel. Je nach Seilmanteltyp weisen auch verhärtete Stellen ober aber sehr weiche Zonen, bei denen sich das Seil ohne Widerstand knicken lässt (Knicktest), darauf hin, dass man ein Seil ausmustern sollte.


Anders ist die Umkehrfrage: «Kann ein häufig in der Halle verwendetes Seil auch noch draussen in Mehrseillängenrouten sicher verwendet werden?» zu beantworten.
Wie bereits erwähnt, werden Seile in der Halle oder im Klettergarten durch das häufige Ablassen stark beansprucht und «altern» rascher. Da im alpinen Gelände auch härtere Stürze mit Scharfkanten-Belastung möglich sind, ist bei einer derartigen Mehrfachverwendung grosse Zurückhaltung angezeigt.
Zudem sind kürzere Seile, wie sie in der Halle sinnvollerweise verwendet werden, im «Outdoor-Bereich», wo Längen von 50 Meter und mehr notwendig sind, meistens zu kurz.

Eine ausführliche Dokumentation der DAV-Sicherheitsforschung über die Lebensdauer von Alpin-Ausrüstung finden Sie unter dem untenstehenden Download.


PDF Downlaod: 20130920-102509-z121.pdf