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Sicherheit

SAC -Schweizer Alpen Club bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung
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Kuhattacke

Datum der Veröffentlichung: 20.09.2013 - Bike

Im Jura im Sommer tut man gut daran, die Gutmütigkeit der Kuhherden im Auge zu behalten. Als langjähriger Hundebesitzer weiss ich von der Gefahr, die speziell von den Muttertieren ausgeht und dementsprechend umgehe resp. umfahre ich diese Viecher jeweils grossräumig, auch wenn es oft mit Unannehmlichkeiten (Stacheldrähte etc.) und Umwegen verbunden ist. Kurz vor der Métairie de Werdt wurden wir von einer Kuhherde überrascht, die regelrecht die Strasse blockierte. Man konnte die Tiere leider weder links noch rechts umgehen, so sind wir langsam durch die Herde gefahren resp. gelaufen. Jungtiere waren zunächst keine sichtbar. Plötzlich tauchten zwei (schon relativ grosse) Jungtiere auf und gleich darauf stürmten zwei Kühe mit riesigen Hörnern wutschnaubend auf uns zu und verfolgten uns. Dank den Bikes konnten wir fliehen, die Kühe verfolgten uns aber noch ein gutes Stück. Wenn die Kühe die Verfolgung nicht aufgegeben hätten, so hätten wir wohl schlechte Karten gehabt. Beim Anblick einer Kuhherde agieren wir eigentlich immer sehr vorsichtig, aber von dieser Herde mit versteckten Jungtieren wurden wir überrascht.
Ich möchte noch beifügen, dass die Hunde neben den Bikes her getrottet sind und die Kühe weder angekläfft haben noch ihnen nachgehetzt sind. Der Besitzer solcher Muttertiere müsste wissen, welche Kühe aussergewöhnlich aggressiv sind. Solche Tiere gehören definitiv nicht ungesichert auf offizielle Bike- und Wanderrouten.


Solche Vorfälle sind leider nicht selten und es kommt immer wieder zu Unfällen mit schwerwiegenden Verletzungen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL weist auf ihrer Website und mit grünen Hinweisschildern vor Ort auf das «richtige» Verhalten beim Begehen von Weiden mit Mutterkühen hin. So weit so gut.. oder eben auch nicht.
Vielerorts befinden sich die Gatter der «offiziellen» Wegdurchgänge in der Nähe von Hecken, wo die Herden an heissen Tagen Schatten suchen. Manchmal stellen die Landwirte auch die Tränken in die Nähe der Gatter, wo sich die Kühe dann eben häufig aufhalten.

Was sollen nun Wanderer oder Biker tun, wenn sich eine ganze Herde am Weg zusammendrängt? Eine solche zu durchqueren ist auf jeden Fall ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Die Weide grossräumig zu umgehen ist auch nicht immer möglich, mit Zeitverlust und im alpinen Gelände zudem mit Absturzgefahr verbunden.

Wenn man in solchen Situationen auf der sicheren Seite bleiben will, ist Umkehren oft der beste Ratgeber. Das ist natürlich nicht zuletzt deshalb ärgerlich, als dass im Gesetz über die Fuss- und Wanderwege eigentlich klar umschrieben ist: «Fuss- und Wanderwege sollen jederzeit frei zugänglich und gefahrlos begehbar sein.»

Wir empfehlen bei Sachverhalten, bei denen der offizielle Weg aufgrund solcher Situationen nicht frei begehbar ist, folgendes Vorgehen:

Falls möglich: Sachliches Ansprechen der verantwortlichen Personen vor Ort.

Dokumentation der angetroffenen Situation mit genauen Orts- und Zeitangaben sowie Fotos und Meldung an die zuständige kantonale Wanderwegorganisation oder die Gemeinde.


PDF Downlaod: 20130930-151605-z358.pdf