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Bergsport mit Diabetes Typ 1

Datum der Veröffentlichung: 30.09.2013 - Anderes

Im Klettergarten kletterte ein Paar. Nachdem der Mann seine Partnerin toprope gesichert hatte, ließ er sie wieder ab. Anschließend wurde er bewusstlos auf Grund einer Hypoglykämie (Unterzuckerung). Der Mann leidet an einem insulinpflichtigen Diabetes. Wäre er ein paar Minuten früher bewusstlos geworden, während er seine Partnerin abließ, hätte es einen tödlichen Unfall geben können.

Der Mann hat wahrscheinlich einen Typ 1-Diabetes. Diese Patienten kennen sich normalerweise mit ihrer Erkrankung bestens aus und haben heutzutage nicht selten eine subkutane Insulinpumpe, welche selbsttätig und tageszeitabhängig Insulin verabreicht.

Um funktionieren zu können, ist unser Gehirn auf eine Mindestkonzentration Glucose im Blut (Blutzucker = BZ) angewiesen. Wenn der BZ unter einen bestimmten Wert fällt (50 mg% bzw. 2,6 Mmol), wird man Symptome der Unterzuckerung entwickeln. Diese sind Nervosität, Schweißausbrüche, rasender Puls, Zittern, Kopfschmerzen u. Ä. Fällt der BZ weiter (30 mg% bzw. 1,6 Mmol), verliert man schnell das Bewusstsein, so wie das im geschilderten Fall offenbar war. Gut eingestellte Typ 1-Diabetiker haben bei sportlicher Aktivität einen deutlich stärkeren BZ-Abfall als gesunde Personen.

Patienten mit Typ 1-Diabetes können stärksten körperlichen Anstrengungen ausgesetzt werden, wie z.B. Extremwettkämpfen (Triathlon). Diese sportlichen Aktivitäten sollten jedoch immer zu gleicher (gewohnter) Tageszeit und in enger zeitlicher Beziehung zu Mahlzeiten und Insulininjektionen erfolgen. Auf diese Weise sind die Veränderungen des BZ in der Regel genau vorhersagbar. Ein inadäquater Ersatz der Kohlenstoffe vor, während und nach körperlicher Aktivität ist der häufigste Grund für eine Sport-assoziierte Hypoglykämie bei Typ 1-Diabetikern. Für diese Patienten gilt neben genauestem BZ-Monitoring vor, während und nach sportlicher Aktivität:

• Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme vor, während und nach dem Sport
• Wenn der BZ vor dem Sport <100 mg/dL (5.6 mmol/L) beträgt, sollten zusätzlich 15-30g leicht verdauliche Kohlenhydrate aufgenommen werden, und zwar 15-30 min vor dem Sport sowie alle 30 min während der Aktivität
• Langsam absorbierbare Kohlenhydrate nach dem Sport einnehmen, z. B. Trockenobst
• Die Insulindosis, welche während der Periode sportlicher Aktivität wirksam ist, sollte um 30% reduziert werden, insbesondere dann, wenn die Tätigkeit länger als eine Stunde dauert.
• Die Insulininjektion sollte an einer Stelle getätigt werden, die nicht in unmittelbarer Nähe zu den beanspruchten Muskeln liegt (beim Sportklettern kaum praktikabel, da alle Muskelgruppen aktiv sind).
• Die Insulininjektion sollte mindestens 60 bis 90 min vor der Aktivität appliziert werden.

(Kommentar von Eckehart Schöll, Schweizerische Gesellschaft für Gebirgsmedizin SGGM)