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SAC -Schweizer Alpen Club bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung
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Sturz wegen ausgehängter Express-Schlinge

Datum der Veröffentlichung: 15.10.2013 - Klettertour

Kurz nach dem 6. Haken in einer Route kam die Schlüsselstelle. Ich versuchte sie erst zu klettern, dann stieg ich etwas zurück und wollte mich am Seil in die Expressschlinge im 6. Haken setzen. Statt im Seil zu sitzen (kein Sturz, ich kletterte ja zurück) machte ich einen völlig unkontrollierten und ziemlich weiten Flug. Im Nachhinein zeigte sich, dass sich der Karabiner aus dem 6. Bohrhaken ausgehängt hatte. Der Schnapper war danach nicht mehr in der korrekten Position, sondern nach aussen gedrückt.

Dieser Vorfall ist auf eine ungünstige Lage des oberen Karabiners in der Sicherungslasche (Plättli) des Bohrhakens zurückzuführen. Dies kann zu einem «Selbstaushängen» des Karabiners oder bei Sturzbelastung auch zu einem Karabinerbruch führen. Bei einwandfrei gesetzten Haken kann dies durch korrektes Einhängen der Express weitgehend verhindert werden:

1. Oben in der Expressschlinge einen Karabiner mit geradem Schnapper und möglichst wenig vorstehender Nase verwenden. Dieser Karabiner sollte frei beweglich sein (also nicht mit einem Gummi fixiert, grosse Lasche der Expressschlinge, nicht allzu steife Expressschlinge).

2. Den Karabiner so im Haken einhängen, dass der Schnapper von Kletterer und Fels weg schaut.

Siehe hierzu auch den Auszug aus dem Lehrbuch «Bergsport Sommer» (SAC-Verlag).

Bei diesem Ereignis wurde dies offensichtlich korrekt gemacht. Es ist gut möglich, dass der weit vorstehende Gewindebolzen die Beweglichkeit des oberen Karabiners verhindert hat und sich dieser mit dem Bohrhaken verklemmt hat und den Schnapper aufgedrückt hat. Nebst dem Risiko, dass der Karabiner verklemmt, sind derart gesetzte Bohrhaken auch deshalb gefährlich, weil die erforderliche Setztiefe des Bolzens nicht eingehalten wurde. Wir empfehlen Routen, bei denen mehrere oder sogar alle Haken so gesetzt sind, zu meiden.

Fazit:
Auch bei gut gesetzten Bohrhaken und korrekt eingehängten Expressen ist die Verbindung oberer Karabiner-Bohrhaken die eigentliche Schwachstelle eines Sicherungspunktes. Zusammen mit dem Seil bewegt sich auch die Express und der obere Karabiner kann unter misslichen Umständen in eine ungünstige Position verschoben werden. Es empfiehlt sich deshalb generell, die korrekte Lage des oberen Karabiners vor einer gewollten Belastung wie «reinsitzen» oder «kontrolliert abspringen» zu kontrollieren. Glücklicherweise enden solche Aushänger (wie bei diesem Vorfall) nicht zwingend mit einer schweren Verletzung und werden nicht weiter bekannt. Es wäre jedoch für die Unfallprävention wertvoll, noch mehr Informationen zu solchen Ereignissen zu erhalten. Sie können solche jederzeit mit einem Vorfalleintrag auf www.alpinesicherheit.ch melden.

Bilder: Franziska Dörig



PDF Downlaod: 20131014-130121-z244.pdf